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Matt oder glänzend

Matt oder glänzend ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Im Auto und an Häuserfassaden sorgen Mattlacke für mehr Sicherheit.

Ganz gleich, ob Lacke auf Holz, Metall, Leder oder Kunststoff gesprüht, gestrichen oder getaucht werden: Das dem Lack zugesetzte Mattierungsmittel ACEMATT ist gleichmäßig im nassen Lackfilm verteilt. Durch die Verdunstung des Lösemittels nimmt die Lackfilmdicke ab, sie schrumpft. „Zurück bleibt eine mehr oder weniger raue Oberfläche“, sagt Reinhard Behl, Experte für Mattierung von Evonik. „Gerichtet auftreffendes Licht wird an einer solchen Oberfläche diffus reflektiert. Die Fläche erscheint matt. Glänzende Lackoberflächen entstehen, wenn das Licht nahezu vollständig gerichtet reflektiert wird.“ Das kann zum Beispiel die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigen. Deshalb greifen Automobilhersteller und Architekten zu Mattlacken, um beispielsweise blendfreie Armaturenbretter oder Fassaden zu erhalten. Je nach Anwendung muss die Lackrezeptur formuliert und das geeignete Mattierungsmittel ausgewählt werden. Behl: „Je mehr Lösungsmittel ein Lack enthält, desto höher der Schrumpf, desto einfacher das

Mattieren. Je weniger Lösungsmittel, desto geringer der Schrumpf, desto schwächer die Mattierung.“ Neben Armaturenbrettern werden auch noch viele andere Teile des Automobils, zum Beispiel Lenk räder, Schaltknäufe, Ledersitze, Türauskleidungen, Felgen oder Stoßdämpfer, matt lackiert. Häufig dienen matte Oberflächen nicht nur der Sicherheit, sondern werden auch zur Gestaltung sowohl im Fahrzeug-Innenraum als auch bei der Karosserielackierung eingesetzt. Um eine spezielle Haptik zu erzeugen, kommen mattierte Softfeel-Lacke zum Einsatz. ACEMATT entsteht bei der Reaktion von Schwefelsäure und Wasserglas. Das gefällte Siliziumoxid wird anschließend gefiltert, getrocknet und vermahlen. Auch im thermischen Prozess, durch Verbrennung von Siliziumtetrachlorid in einer Knallgasflamme, kann ACEMATT produziert werden. Thermisch gewonnene Mattierungsmittel eignen sich vor allem für schwer mattierbare Lacke und Wasserlacke, wässrige UV-Lacke und Lacke für Leder und Folien. Während des Herstellungsprozesses steuern die Mattierungsexperten Partikelwachstum und Partikelgröße. In weiteren Prozessschritten können die Kieselsäuren nachbehandelt werden, um zusätzliche Eigenschaften zu erreichen.

Mattierungsmittel mit kleinen Partikeln gehen eher in dekorative Anwendungen, grobteilige Produkte finden sich häufig in funktionalen Anwendungen, um zum Beispiel Lacke blendfrei zu machen. In Anwendungen im Automobilbereich müssen oft beide Ansprüche gleichzeitig bedient werden.