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Geschichte bewahren


Er hat schon viel erlebt - der ab 1380 in zwei Bauschritten bis 1540 gotisch erbaute Willibrordi-Dom in Wesel. Während er im Inneren fast makellos aussieht, setzen ihm von außen Regen, Schnee und Frost zu - Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Innen hingegen lenken Dutzende von Fensterflächen aus Antikglas großzügig das Tageslicht in die Basilika, lassen den Abendmahltisch und die Orgel erstrahlen. Mächtige Pfeiler und Arkadenbögen stützen das Bauwerk, Holzdecke und Schieferboden vermitteln einen glanzvollen, fast schon festlichen Gesamteindruck.


Tritt man aus dem Gotteshaus, kann man erkennen, wie der Zahn der Zeit langsam aber unnachgiebig an Wesels Wahrzeichen nagt: Algen und Flechten bedecken an einigen Stellen den Sockel aus Basalt und Sandstein. Staub und Dreck aus der Luft haben über Jahrzehnte hinweg manche Fensterbänke und Gesimse grau bis schwarz verfärbt. Jetzt soll ein Produkt aus den Chemielabors von Evonik nicht nur die Spuren der Zeit beseitigen, sondern den Dom auch für die kommenden Jahre schützen.

Derartiger Bautenschutz hat bei Evonik Tradition: An verschiedenen Stellen des Unternehmens beschäftigen sich Mitarbeiter damit. Für so unterschiedliche Anwendungen wie die Imprägnierung mineralischer Fassaden, die Beschichtung von Gebäuden mit speziellen silikonhaltigen Farben oder die Wasserabweisung bei Beton beispielsweise wissen die Fachleute von Evonik die richtige Antwort. Die Chemie, die dabei zum Einsatz kommt, ist häufig die gleiche und dennoch hochspezialisiert. Sie basiert auf Silanen und für die jeweilige Anwendung maßgeschneiderten Polysiloxanen oder Silikonharzen. Evonik stellt damit Produkte her, die zum Schutz von unterschiedlichsten Baustoffen und Bauarten eingesetzt werden. Große Gebäude werden damit ebenso wirksam vor Wasser geschützt wie kleine Einfamilienhäuser. Das Besondere: Die Silane, Siloxane oder Silikonharze in Imprägnierungen und Farben weisen das Regenwasser ab, aber sie versiegeln den Untergrund nicht. Wasserdampf kann so ungehindert aus dem Gebäudeinneren nach außen entweichen. Durch dieses intelligente Feuchtigkeitsmanagement des Baustoffes wird Gebäudeschäden durch Aufwuchs von Algen oder Schimmelpilzen, aber auch Schäden durch gefrierendes Wasser vorgebeugt.

Schutz vor Feuchtigkeit innen und außen

"Im Grunde wirken solche Beschichtungen so ähnlich wie eine Funktionsjacke, die vor Regen schützt, aber gleichzeitig die Körperfeuchtigkeit als Wasserdampf von innen nach außen durchlässt", sagt Jürgen Kirchner, Diplom-Ingenieur bei Evonik. "Die Regenwassertropfen perlen ab, aber die sehr viel kleineren Wasserdampf-Moleküle dringen weiterhin von innen durch die Poren zur Außenseite der Steine," ergänzt Dr. Christopher Studte, Leiter Anwendungstechnik Silane im Bereich Bautenschutz bei Evonik. Durch diese Methode kann feuchtes Mauerwerk trocknen, ohne dass neue Feuchtigkeit von außen eindringt.

Das hört sich einfach an, doch dahinter steckt viel chemisches Wissen und jahrelange Forschung. Und davon profitiert auch das Weseler Wahrzeichen Willibrordi-Dom. Denn der Dombauverein und Dombaumeister Prof. Dr. Ing. Dr. h.c. Wolfgang Deurer können für ihre Aufgaben auf die Kompetenz von Evonik zurückgreifen. Deurer kümmert sich seit 53 Jahren um das Gotteshaus in Wesel. Auch in anderen europäischen Ländern sind der Rat und die Erfahrung des Denkmalpflegers und Architekten gefragt. Deurer kennt die Tücken, die Wasser und Feuchtigkeit für Gebäude mit sich bringen können. Die Restaurierung und Sanierung von Denkmal geschützten Bauwerken sind sein Metier.

Vorbeugender Schutz gegen Algen und Flechten

In Wesel soll nun nach einer mehrjährigen Testphase noch in diesem Jahr PROTECTOSIL® von Evonik zur Imprägnierung am Willibrordi-Dom großflächig eingesetzt werden. Die Kirche wurde nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg in Jahrzehnte langer Arbeit wieder aufgebaut. Dazu verwendeten die Bauherren die alten Pläne und – wie schon im Mittelalter – die weitgehend traditionellen Baustoffe und Materialien. Wie bei vielen Kirchen am Niederrhein wurde dabei Oberkirchener Sandstein genutzt.

"Dieser Stein ist zwar sehr fest", erklärt der Dombaumeister, "aber er nimmt leider auch schnell den Schmutz aus der Luft auf und verfärbt sich." Die hellen Sandsteine – besonders an Profilen und Ecken – werden grau und schwarz. Dazu kommen hässliche Algen, Flechten und Pilze als Sekundärbewuchs. Durch ihre Stoffwechselprodukte oder Wurzeln besteht die Gefahr einer nachhaltigen Schädigung der Bausubstanz. Sie können beispielsweise den Mörtel in den Fugen angreifen und aufplatzen lassen – Feuchtigkeit dringt dann über kurz oder lang in jedes Mauerwerk ein.

"Bauen und Bewahren bedeutet, einen lebenslangen Kampf gegen Wasser und Feuchtigkeit zu führen", weiß Deurer aus Erfahrung. Wasser dringt aus den Fundamenten hoch, Rohrleitungen werden undicht, im Sommer "schwitzt" das Mauerwerk, im Winter gefriert das Wasser, dehnt sich aus und entwickelt dabei eine ungeheure Sprengkraft. Daher war er auch sehr interessiert, als er von PROTECTOSIL® hörte. Das Produkt schützt nicht nur die Fassade dauerhaft. Es hält zudem den Vergrauungsprozess durch Schmutz auf und hilft auch gegen Algen- und Flechtenbewuchs, da die behandelten Flächen trocken bleiben und den Algen und Flechten damit das für das Wachstum benötigte Wasser fehlt. "Für unser Gotteshaus eine ideale Lösung", so der Dombaumeister. "Denn eine ständige Reinigung der Fassade ist einfach zu teuer."

Beginnend 2014 wird in mehreren Abschnitten eine Fläche von insgesamt 900 Quadratmetern Oberkirchener Sandstein mit einer Imprägnierung mit PROTECTOSIL® geschützt. Bis Ende 2015 sollen alle aus Oberkirchener Sandstein bestehenden Flächen damit imprägniert sein. Der Dombaumeister ist zuversichtlich: "Mit einer guten Imprägnierung haben wir mindestens die nächsten zehn Jahre keinen Reinigungsaufwand mehr." Ein Vorteil, den Prof. Deurer ganz besonders zu schätzen weiß – denn bei seiner verantwortungsvollen Arbeit gegen den Zahn der Zeit denkt er gern langfristig.

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