Wie der Riesenkalmar entdeckt wurde

Lula 1000

Sponsoring

Kindern begegnet er häufiger: Der "Riesenkalmar" taucht als "Riesenkrake" in Geschichten, Sachbüchern oder Zeichentrickfilmen auf. Tatsächlich haben die Menschen viele Hundert Jahre geglaubt, das Tier gebe es nur in Märchen.


Früher erzählten sich die Seeleute an langen Abenden Geschichten über riesige Tintenfische, die tief im Meer leben. Vielleicht hatten einige weitgereiste Matrosen einen toten Riesenkalmar gesehen, der an Land gespült worden war. Und weil die Seeleute gerne gruselige Geschichten hörten, wurde die "Riesenkrake" jedes Mal noch größer und gefährlicher als zuvor. Solche übertriebenen Erzählungen heißen "Seemannsgarn". Schließlich glaubten manche Matrosen tatsächlich daran, die Kraken kämen aus den Tiefen und zögen mit ihren langen Armen ganze Schiffe in die Tiefe. 
Diese Geschichten kannten wahrscheinlich auch die Fischer, die mit ihrem Ruderboot im Jahr 1873 vor Kanada im Atlantik Fische fangen wollten. An ihr Boot wurde ein noch lebender Riesenkalmar herangetrieben. Eigentlich tauchen Riesenkalmare fast nie an der Meeresoberfläche auf. Ihnen ist es da zu hell. Vielleicht war das Tier krank, oder vor einem Wal geflohen – oder neugierig. Auf jeden Fall fing es an, mit seinen langen Armen das Fischerboot zu betasten. Das versetzte die Fischer in Angst. Sie dachten, dass sie der große Tintenfisch nun unter Wasser ziehen wollte. Ein zwölfjähriger Schiffsjunge an Bord war mutiger als all die anderen. Er hieß Tom Piccot. Er nahm eine Axt, die auf Booten meist griffbereit lagen, und hackte dem Riesenkalmar einen Tentakel ab. Tentakel nennt man die mehrere Meter langen Greifarme, mit der die Tiere ihre Beute fassen oder Dinge betasten. Der Kalmar flüchtete, doch der sechs Meter lange Tentakel blieb an Bord. Damit war bewiesen, dass es die Tiere wirklich gibt. 
Schon zehn Jahre zuvor wäre es einem französischen Kriegsschiff vor den Kanarischen Inseln fast gelungen, einen Riesenkalmar an Bord zu ziehen. Die Matrosen schossen eine Harpune in das Tier, das an der Wasseroberfläche schwamm. Doch beim Versuch es an Bord zu ziehen, zerfiel der weiche Körper und verschwand fast vollständig im Meer. Nur ein paar Stücke kamen an Deck. 
In den folgenden Jahren wurden immer mehr Teile von Riesenkalmaren entdeckt. Im Jahr 1874 wurde auf der Insel Neufundland ein vollständiger Kalmar angetrieben. Der Pastor und Forscher Moses Harvey machte damals das erste Foto davon – dazu hängte er das tote Tier in seiner Badeschüssel auf. In dieser Zeit stellten die Wissenschaftler also fest, dass es das sagenhafte Tier tatsächlich gibt. Die Suche nach dem Riesenkalmar begann – und dauert bis heute. Erst im Jahr 2012 gelang es einem japanischen Wissenschaftler, einen lebenden Riesenkalmar in mehreren Hundert Metern Tiefe zu filmen. Das Tier war allerdings verletzt, ihm fehlten die beiden langen Tentakel. 
Das Tauchboot Lula 1000 will versuchen, ein unverletztes und möglichst ausgewachsenes Exemplar tief unten im Meer zu filmen. Die Forscher wollen erstmalig beobachten, wie das große Tier seine langen Tentakel einsetzt, um seine Beute zu halten und zu fressen.