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Was ist PLEXIGLAS®?

Wissenschaft

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PLEXIGLAS® ist eine der bekanntesten Kunststoffmarken der Welt und zum Inbegriff des Acrylglases geworden.


Der Name Plexiglas ist untrennbar mit dem seines Erfinders Otto Röhm (1876 bis 1939) verbunden. Röhm war ein herausragender Chemiker und Erfinder. Sein erster großer Erfolg fußte darauf, dass er Enzyme industriell nutzte. Darauf basieren noch heute ungezählte Produkte von Waschmitteln bis in die Lebensmittelindustrie.
Ab 1911 forschte er im Bereich der Acrylat- und Methacrylatchemie. Seinen Anfang hatte dieser Chemiebereich bereits zehn Jahre zuvor mit seiner Dissertation über die "Polymerisationsprodukte der Akrylsäure" genommen. 1927 kam es zu ersten greifbaren Ergebnissen und ein Jahr später begann die Produktion eines klar durchsichtigen Verbund-Sicherheitsglases mit innenliegender Acrylatschicht als Verglasungsmaterial für die Automobilindustrie. Weitere intensive Forschungsarbeiten führten schließlich 1933 zur großen Erfindung PLEXIGLAS®.
 
Aber ohne einen Zufall hätte es den Werkstoff indes nie gegeben: Der Chemiker Röhm forschte eigentlich daran, eine Art transparentes Gummi zu erschaffen. Eines Tages gießt er eine Versuchsmasse zwischen zwei Glasplatten und stellt sie zum Aushärten auf die Fensterbank. Am nächsten Tag erwartet ihn zwar kein Gummi, aber erstmals tatsächlich eine neue Art Kunststoff. Er ist hart, glasklar und löst sich einfach von den Glasplatten. Der Chemiker ist perplex. Und so fiel ihm die Namenswahl nicht schwer: PLEXIGLAS® war geboren. Als Produkt und als Marke. Denn der Visionär war überzeugt, dass ein guter Werkstoff einen guten Namen braucht und lies sich diesen sogleich als Marke schützen.
Heute ist PLEXIGLAS® eine der bekanntesten Kunststoffmarken der Welt und ist zum Inbegriff für Acrylglas (chemisch: Polymethylmethacrylat, kurz PMMA) geworden.
Die Eigenschaften von PLEXIGLAS® faszinierten die Menschen sofort. Es ist viel leichter und bruchsicherer als Glas, dabei lichtdurchlässiger. Es vergilbt nicht, filtert UV-Strahlen und brennt ohne giftige Gase zu bilden. Es lässt sich einfach verarbeiten, unter Wärme verformen, ist widerstandsfähig, leicht zu pflegen und vollständig recycelbar. Es lässt sich beliebig einfärben, leitet in seiner transparenten Variante Licht und ist optisch hochrein. Es kann als gegossene oder extrudierte Halbzeuge hergestellt werden und als Formmasse in allen thermoplastischen Verfahren verarbeitet werden.
Bereits 1937 gab es dafür auf der Weltausstellung eine Goldmedaille, zu sehen waren Musikinstrumente aus PLEXIGLAS®. Solche Instrumente werden bis heute gebaut und eingesetzt. Das in Deutschland berühmteste ist der Schimmel-Flügel von Udo Jürgens.
Leider kam Plexiglas in den ersten Jahren bis zum Kriegsende vor allem in der Rüstungsindustrie, und hier vor allem als Sichtkuppel von Kampfflugzeugen, zum Einsatz.
Nach dem Krieg begann dann der ganz große Erfolg von PLEXIGLAS®. Es wurde für Überdachungen, in Möbeln und im Fahrzeugbau, als spritzgegossene Linsen und als Abdeckung der damals modernen Plattenspieler eingesetzt. Die Kuppel des legendären Messerschmitt-Kabinenrollers war aus PLEXIGLAS®. Designer sind nun schon seit Jahrzehnten von dem Produkt so begeistert, dass es fast keinen Alltagsbereich ohne PLEXIGLAS® gibt. Die Lichtleiter in densuperflachen LED-TVs sind genauso daraus gemacht wie Reflektoren an Fahrrädern, Autorückleuchten, Flugzeugfenster, Terrassendächer, Uhrgläser oder die Fresnell-Linsen für solare Anwendungen. 80 Jahre nach seiner Erfindung ist es immer noch ein hochmoderner Werkstoff, für den sich immer neue Anwendungsmöglichkeiten bieten.