Stefan Haver, Head of Sustainability bei Evonik
Stefan Haver, Head of Sustainability bei Evonik
Interview

Next Generation Solutions: Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit  

Was die Next Generation Solutions ausmacht, warum Evonik auf sie setzt und welche Rolle sie künftig für den Spezialchemiekonzern spielen, erklärt Head of Sustainability, Stefan Haver, im Interview.

Was versteht Evonik unter „Next Generation Solutions“?  

Evonik stellt knapp 4.000 Produkte her, die wir alle auf Nachhaltigkeit untersucht und anschließend kategorisiert haben (Mehr zur Methode der Nachhaltigkeitsanalyse). Ganz oben stehen die Leader und Driver. Das sind Produkte, die wettbewerbsbezogen absolut top abgeschnitten haben im Vergleich zum Wettbewerb und besonders nachhaltig sind. Diese Spitzenreiter in puncto Nachhaltigkeit sind unsere Next Generation Solutions. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil vieler Zukunftstechnologien und machen schon heute 37 Prozent unseres Umsatzes aus. Ihren Anteil am Gesamtumsatz werden wir in den kommenden Jahren gezielt ausbauen. Und viele unserer Produkte, die in den nachfolgenden Kategorien liegen, haben das Potenzial, sich durch Produkt- und Prozessverbesserungen zu Next Generation Solutions zu entwickeln.

Welche Produkte sind das zum Beispiel?

Next Generation Solutions bieten wir für die unterschiedlichsten Märkte an. Mit unserer Membrantechnologie SEPURAN® Green zum Beispiel kann aus landwirtschaftlichen und kommunalen Abfällen Biokraftstoff gewonnen werden. DYNAVIS® verbessert als Additiv in Hydrauliköl die Leistung von Baumaschinen und reduziert so den Kraftstoffverbrauch. Und dank unserer Aminosäuren wie MetAMINO® oder Biolys® werden Futtermittel für Hühner und Schweine ressourcenschonender und tragen insbesondere in Asien und Südamerika zu einer nachhaltigeren Fleischproduktion bei.   

Wie haben Sie die Next Generation Solutions identifiziert?

2020 haben wir erstmalig unser gesamtes Chemie-Portfolio einer umfangreichen Nachhaltigkeitsanalyse unterzogen. Dabei haben wir uns an dem Portfolio Sustainability Assessment (PSA) des World Business Council for Sustainable Development orientiert. Dieser Ansatz ermöglicht es, die jeweiligen Produkte sehr differenziert in ihrer spezifischen Anwendung, im Hinblick auf regulatorische Einflüsse und Inhalte sowie im regionalen Kontext zu betrachten, die sogenannten „Product Application Region Combinations“. Hierbei fließt zum Beispiel auch ein, wie sich unsere Produkte auf die Nachhaltigkeit der Produkte unserer Kunden auswirken. Im Anschluss an die Analyse haben wir unsere Produkte fünf Kategorien zugeordnet: Leader, Driver, Performer, Transitioner und Challenged. Auf diese Weise erhalten wir einen strukturierten Überblick über die Nachhaltigkeit unseres Portfolios, wir schaffen Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Warum haben Sie sich für diese aufwendige Analysemethode entschieden?

Das PSA ist eine standardisierte Methode zur Portfoliobewertung in der chemischen Industrie. Für unsere Stakeholder hat das den Vorteil der Vergleichbarkeit und damit Transparenz. Aber auch wir profitieren von der umfassenden Analyse: Sie bietet uns eine fundierte Grundlage, um Nachhaltigkeit noch stärker in unsere strategische Steuerungsprozesse und Managemententscheidungen zu integrieren. Mit Hilfe der Daten können wir Produkte gezielt verbessern und sie zu Next Generation-Lösungen entwickeln, aber auch Geschäftsgebiete sowie unser gesamtes Portfolio steuern.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Evonik?

Nachhaltigkeit steht im Zentrum unseres Purpose „Leading beyond chemistry to improve life, today and tomorrow” und ist seit jeher Treiber unseres Wachstums. Sie bedeutet für uns eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialem. Immer mehr Kunden erwarten, dass wir sie mit unseren Produkten und Lösungen dabei unterstützen, ressourcenschonende Anwendungen zu entwickeln und ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Nachhaltigkeit ist damit für uns ein entscheidender Schlüssel auf dem Weg zum weltbesten Spezialchemiekonzern.