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Pressemitteilung
Standort Lülsdorf
2. Dezember 2013

Teil 20: Biodiesel boomt

Ende der 1990er Jahre übertrug die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergbau AG (VEBA) ihre Anteile an der Degussa AG auf die Hüls AG und bildete daraus die Degussa-Hüls AG. Auch das Werk Lülsdorf wurde in die neue Aktiengesellschaft übernommen (siehe Kasten). Parallel zu den Modernisierungsarbeiten der letzten Dekade und der Neuerrichtung zahlreicher Anlagen durch die Hüls AG lief die Arbeit an der Verbesserung der Infrastruktur in Lülsdorf auf Hochtouren. Sowohl das Brandschutzkonzept als auch die betrieblichen Alarm- und Gefahrenabwehrpläne wurden grundlegend überarbeitet. Seit den 1960er Jahren war ein Teil der Werksabfälle auf eine Deponie in den Nachbarort Ranzel gebracht worden. Ende der 1990er Jahre entschloss sich die Standortleitung in Lülsdorf dazu, dieses Gelände käuflich zu erwerben, um die spätere Rekultivierung und die nachfolgende Kontrolle der ehemaligen Kiesgrube sicherzustellen. Nachdem die Grube aufgefüllt war, wurde die Oberfläche abgedichtet und rekultiviert. Diese Arbeiten wurden nach zweijähriger Bauzeit im Jahr 2000 abgeschlossen. Auch aufgrund solcher Maßnahmen konnte sich das Werk wieder nach der EU-Öko-Audit Verordnung zertifizieren lassen. Nach der Jahrtausendwende war die wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht einfach. Fusionen und Umstrukturierungen prägten die deutsche Unternehmenslandschaft. Auch die frisch zusammengeführte Degussa-Hüls AG wurde 2001 erneut fusioniert. Zusammen mit der SKW Trostberg bildete sie nun die neue Degussa AG. Im Rahmen dieser wiederholten Verschmelzung zweier Unternehmen wurden die Dimethylterephthalat (DMT)-Aktivitäten der Degussa AG am 1. April 2001 in die neu gegründete Oxxynova GmbH & Co. KG ausgegliedert. Die Konkurrenz aus Asien stieg. Vor allem aus China überschwemmten Billig-Produkte den Markt. Um im harten Konkurrenzkampf zu bestehen, wurde im Jahr 2003 am Standort in Lülsdorf das Projekt „Lülsdorf 2005“ gestartet. Durch die Initiative sollten Organisationsstrukturen gestrafft und Produktionsprozesse optimiert werden.

2003 war das „Jahr der Chemie“, doch sowohl die Auslastung der Anlagen als auch die Erträge am Standort Lülsdorf waren auf ein Minimum gesunken. Dennoch nahm der Standort im September erneut am bundesweiten „Tag der offenen Tür“ teil. Rund 2.300 Besucher fanden den Weg ins Werk, um einen Eindruck von der Produktion, Infrastruktur und Ausbildung zu bekommen. Der Erlös aus dem Speisen und Getränkeverkauf kam – wie bei früheren Veranstaltungen auch – sozialen Zwecken zugute.

Alkoholate im Fokus

Unerwartet brachte 2004 die große Nachfrage nach Biodiesel die Produktion am Standort Lülsdorf wieder auf die richtige Spur. Denn um den Ausstoß von CO2 zu reduzieren, wurden Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen von der Europäischen Union stark gefördert. Bei der Umwandlung von Pflanzenöl in Biodiesel werden Alkoholate als Katalysatoren eingesetzt. Alkoholate sind organische wasserfreie Basen, die sich von wässrigen Laugen dadurch unterscheiden, dass deren Wasserstoffatom gegen Methyl- oder Ethylgruppen ausgetauscht wurde. Lülsdorf stellt vier verschiedene Alkoholate her, wobei Natriummethylat und in geringerem Maße auch Kaliummethylat für die Herstellung von Biodiesel eingesetzt werden. Um den steigenden Bedarfen gerecht zu werden, wurde 2004 in einem ersten Schritt die Produktionskapazität von Kaliummethylat verdoppelt. In diesem Zusammenhang erfolgte ein erster Schritt zur Erneuerung der Gleichstromversorgung der Elektrolyse. Die Gleichrichteranlagen waren teilweise mehr als 50 Jahre alt und wurden zum Teil gegen neue energieeffiziente ausgetauscht.
Aufgrund der Nähe zur Produktion sowie den günstigen Standortanbindung an den Rhein errichtete 2004 auch der Biodieselhersteller KL Biodiesel auf dem Werkgelände in Lülsdorf eine Produktionsanlage.

„Kauft und baut“

Finanzminister Hans Eichel forderte die deutschen Bürger Ende 2001 zu mehr Konsum auf. Die deutsche Wirtschaft schwächelte, fiel schließlich sogar in eine Rezession. Die Arbeitslosigkeit stieg, während Steuereinnahmen schrumpften. Die Auftragslage und der Export brachen deutlich ein, was zu einem Umdenken und Neustrukturierung in der deutschen Wirtschaft führte.

Von der Dynamit Nobel zur Evonik Industries - der Weg des Werkes Lülsdorf:

Das Staatsunternehmen Vereinigte Elektrizitäts- und Bergbau AG (VEBA) übernahm 1988 den Kunststoff- und Chemiesektor der Dynamit Nobel AG und damit auch das Werk Lülsdorf. Die VEBA gliederte Lülsdorf ein Jahr später in die seit 1938 bestehende Hüls AG ein. Das Marler Unternehmen Hüls war zu dieser Zeit der Chemiezweig des VEBA-Konzerns. 1998 übertrug VEBA ihre Anteile an einem weiteren Chemieunternehmen, der 1873 gegründeten Degussa AG aus Frankfurt, auf Hüls und bildete daraus die Degussa-Hüls AG, Düsseldorf. Im Zuge der Verschmelzung der VEBA mit einem zweiten großen Staatsbetrieb, der Vereinigte Industrieunternehmungen AG (VIAG), zur E.ON AG in 2001 wurde Degussa-Hüls erneut umfirmiert, diesmal in Degussa AG, Düsseldorf. Diese Degussa war letztlich die Keimzeile des heutigen Spezialchemieunternehmens Evonik Industries AG in Essen, die 2007 gegründet wurde und der das Werk Lülsdorf zugehört.