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Standort Marl
19. November 2014

K-2020 – ein neues Wahrzeichen für den Chemiepark Marl

Marl, 19. November 2014. Um sein europäisches Geschäft zu erweitern, baut der Geschäftsbereich Advanced Intermediates seine Produktion erheblich aus. So werden im Rahmen des Projekts „Zephir“ an den Standorten Antwerpen und Marl Investitionen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich getätigt. Die Fertigstellung erfolgt im ersten Halbjahr 2015.

In diesem Zuge wird auch die Raffinataufarbeitung am Standort Marl erweitert. Das Projekt umfasst sowohl den Umbau von bestehenden Produktionsanlagen als auch den Bau einer komplett neuen Prozessanlage in einem neuen, offenen Stahlbau. Die Montagearbeiten laufen schon seit 2013.

Die neue Anlage entsteht im Baufeld Ecke Straße700 /80. Die entsprechenden Verfahren, die dort zur Aufarbeitung und Veredelung der C4-Rohstoffe zum Einsatz kommen, sind Eigenentwicklungen von Evonik. Sie ermöglichen es, nahezu alle Komponenten der eingesetzten C4-Gemische zu Produkten aufzuarbeiten und so möglichst sparsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen.

Herzstück der Aufarbeitung ist eine große Destillationskolonne mit dem offiziellen Namen „K-2020“, die C4-Kohlenwasserstoffe mit nur sehr geringen Unterschieden beim Siedepunkt voneinander trennt. Kolonnen mit ähnlichen Dimensionen sind zwar schon in dem Produktionsbetrieb vorhanden, doch diese neue Kolonne übertrifft „ihre Kolleginnen“ in puncto Höhe und Durchmesser noch einmal deutlich: Mit einem Durchmesser von mehr als vier Metern und einer Höhe von fast 90 Metern ist sie die größte Kolonne im Evonik-Konzern.

Lieferung in vier Teilen

Schon bei der Anlieferung des Giganten wurde es spannend: Die Kolonne wurde in insgesamt vier Teilen geliefert, da sie unmöglich an einem Stück durch den Chemiepark transportiert werden konnte. Doch auch so war es ganz schön eng: Das Kolonnenunterteil, die so genannte Standzarge, und die drei Kolonnenschüsse wurden per Schiff über den Kanal angeliefert und westlich der Oelder Brücke abgeladen. Von dort aus ging es dann per Schwerlasttransport im Schneckentempo zur Baustelle.

Teilweise war nur eine Handbreit Platz zwischen den kreuzenden Rohrbrücken und den Kolonnenteilen.
Am Aufstellungsort wartete schon der „Terex Superlift 3800“ auf die Kolonnenteile. Es handelt sich dabei um einen riesigen Raupenkran, der speziell für die Aufstellung von Großkolonnen und Windkrafträder entwickelt wurde.

Mit einem maximalen Hebegewicht von 650 Tonnen und einer maximalen Höhe von 147 Metern ist dieser selbst ein wahrer Gigant. Der Kran wurde bereits eine Woche vor der Kolonnenaufstellung in Einzelteilen mit mehr als zehn Lkws angeliefert und über mehrere Tage aufgebaut. In der aufgebauten Variante betrug die Höhe des Krans rund 110 Meter, die Hebelast etwa 120 Tonnen.

Das Ziehen und Aufstellen der Standzarge bildete den Auftakt der Hubarbeiten. Obwohl das Projekt mit „Zephir“ den Namen eines griechischen Windgotts trägt, war dieser zumindest am ersten Tag dem Projekt nicht ganz wohl gesinnt. So musste die Aufstellung der Standzarge aufgrund der Wetterlage um einen Tag verschoben werden.

Doch dann stabilisierte sich zum Glück das „windfreie“ Wetter und der erste Schuss – also das erste Teilstück der Kolonne – konnte montiert werden. Gerade hier war absolute Windstille nötig, denn der Schuss musste im Kran hängend an die Standzarge geschweißt werden.

Nur wenige Tage später folgte dann der zweite Schuss, bis die Kolonne Anfang November mit dem dritten Teilstück zusammenmontiert werden konnte. Hier mussten die Schweißer in schwindelerregender Höhe von bis zu 60 Metern über der Erde ihre Arbeit verrichten. Die Laufbühnen, Leitern und einzelnen Kolonnenböden wurden schon vor der Aufstellung der Kolonnenteile montiert. Somit hatten die Handwerker einen sicheren Zugang und den nötigen Raum für ihr Werkzeug und Material.

Sicherheit im Vordergrund

Dass alles so gut koordiniert und ohne Zwischenfälle abgewickelt wurde, ist kein Zufall: In einem bereichsübergreifenden Team haben Experten aus Site Services, dem Servicebereich Process Technology & Engineering, dem Geschäftsbereich Advanced Intermediates und externen Partnerfirmen eng zusammengearbeitet und alle Eventualitäten im Vorfeld durchgespielt.

Mehr als 40 Personen waren beteiligt. Dabei stand die Sicherheit immer im Vordergrund. So stimmten sich alle Gewerke im Vorfeld ab, um mögliche Gefahren abzuschätzen und entsprechende Gegenmaßnahmen und Notfallkonzepte zu entwickeln.

Das Ergebnis kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen: Weit über die Grenzen des Chemieparks hinaus ist die Kolonne erkennbar. Dieser Anblick wird sich weiter verändern, denn die gesamte Kolonne wird zur Installation der Trennböden und zur Montage der Dämmung eingerüstet. Nach der Inbetriebnahme werden pro Tag mehr als 500 Tonnen Einsatzstoff die K-2020 durchströmen und zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet werden.