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Pressemitteilung
Standort Lülsdorf
23. Mai 2013

Teil 6: Die „Feldmühle“ und die Korund-Produktion während der Weltwirtschaftskrise

Nach einer vorübergehenden Stilllegung des Betriebs (Teil 5 unserer Serie), wurde die Produktion im März 1924 wieder aufgenommen. Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage konnte das Werk die Erzeugnisse allerdings nicht im benötigten Umfang absetzen. In dieser erneuten Krisensituation verstarb Hugo Stinnes am 10. April in Berlin. Dr. Edmund Stinnes, der älteste Sohn Hugo Stinnes, beschloss mit RWE einen neuen Liefervertrag, womit die Stromversorgung für 1,6 Goldpfennig je Kilowattstunde bis mindestens 1930 gesichert war. 1925 wurde auf Beschluss der Generalversammlung der Koholyt AG die Gesellschaft in „Königsberger-Zellstoff-Fabriken und Chemische Werke Koholyt AG“ umbenannt. Man beschloss, am Standort Lülsdorf künftig auch Elektrokorund zu produzieren – ein Produkt, das zum Anschleifen von Schneidewerkzeug aus Stahl verwendet wird. Im Juli desselben Jahres übernahm man daher auch die Korund-Produktion von Knapsack mit je einem kleinen Blockofen und einem Abstichofen. Damit war der Grundstein für die Herstellung eines sehr erfolgreichen Produktes am Standort Lülsdorf gelegt: Korund wurde hier 70 Jahre lang – bis 1995 – im Bereich Elektroschmelze produziert. Ein Jahr nachdem Edmund Stinnes die Geschicke seines Vaters übernommen hatte, geriet er in eine finanzielle Notlage. Er bemühte sich, das Geschäft seines Vaters in gleicher Art und Weise fortzuführen, besaß allerdings im Gegensatz zu seinem Vater nicht das Vertrauen der Banken. Die unbefriedigende Ergebnissituation führte dazu, dass das Werk Lülsdorf, zusammen mit den übrigen Werken der Koholyt AG, an die englische Firma Inveresk-Paper.Co.Ltd. veräußert wurde. Die Korund-Produktion wurde aber weiter fortgeführt und im Januar 1927 um einen großen Blockofen erweitert. Zudem beschloss die Geschäftsführung, die steigende Nachfrage nach Salzsäure zu bedienen, zumal die Basisprodukte Wasserstoff und Chlor ohnehin im Werk produziert wurden. Doch nicht nur die Produktion wurde in diesen Jahren erweitert, auch das Ortsbild der Gemeinde Lülsdorf veränderte sich allmählich. So weihte der Pfarrer Dr. Johann Gerhard Koch 1927 den Neubau der Volksschule Ranzel ein.

 

Beginn der Weltwirtschaftskrise

Rund zwei Jahre später setzte mit dem „Schwarzen Freitag“ 1929 die Weltwirtschaftskrise ein. Eine Folge waren erneute Verhandlungen mit RWE über den Strompreis pro Kilowattstunde. Der Strompreis für die Elektrolyse mit 1,6 Pfennig/Kilowattstunde blieb zwar bestehen, doch der Preis für die Korund-Schmelze konnte auf 1,5 Pfennig/Kilowattstunde gedrückt werden. 1930 wechselte das Unternehmen wiederum den Besitzer. Das große deutsche Zellstoff- und Papierunternehmen Feldmühle AG übernahm die Koholyt AG von Inveresk. Dieser Wechsel brachte für Lülsdorf beachtliche Fortschritte: Die Produktionskapazitäten der Elektrolyse und des Korund-Betriebs konnten erheblich ausgeweitet werden. Zudem erhielt der Standort seinen wohl bekanntesten Namen: „Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke AG, Werk Koholyt Lülsdorf“. 32 Jahre blieb das Werk im Feldmühle-Konzern. Nach mehr als 80 Jahren ist der Name „Feldmühle“ bei vielen Beschäftigten und Anwohnern immer noch in Erinnerung.

 

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Der Schwarze Freitag

Der 24. Oktober 1929 war eigentlich ein Donnerstag, doch in Erinnerung geblieben ist er als „Schwarzer Freitag“. Spekulationen zu Folge ist dieser Fehler der Zeitverschiebung zwischen Europa und den USA geschuldet. Der Börsencrash wurde durch die Massenpanik der Spekulanten hervorgerufen, die alle auf einmal ihre Aktien verkauften. Dadurch fiel der Dow-Jones-Index und viele Anleger waren nach Börsenschluss hoch verschuldet.Die dadurch eingeleitete Weltwirtschaftskrise führte in Deutschland zu einem explosionsartigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Große Teile der Bevölkerung verelendeten und die politische Lage wurde immer instabiler. Bis 1936 dauerte es, bis die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Deutschland endgültig überwunden waren.