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Die Häuser in Herzogenaurach werden einmal mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Die Häuser in Herzogenaurach werden einmal mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Nachhaltigkeitsbericht

Millimeterarbeit am Bau

Warm ist es in den Reihenhäusern im bayerischen Herzogenaurach an diesem sonnigen, aber kühlen Frühlingstag nicht. Noch nicht.

Erst Ende 2017 ziehen acht Familien in die in moderner Ziegelbauweise errichteten Häuser ein. Bis dahin sind die Handwerker gut beschäftigt. Sie schrauben, sägen, spachteln, schleifen und installieren an vielen Stellen in den Rohbauten. Das ist üblich, das ist Routine. Trotzdem ist diese Baustelle etwas Besonderes: Die Neubauten gehören zu einem Forschungsprojekt der Hochschule Nürnberg. Evonik ist daran beteiligt. Gemeinsam mit anderen Unternehmen planen und errichten die Partner innovative Energiespeicherhäuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen – ein außergewöhnliches Projekt, das einen Weg in die Zukunft des Bauens weist.

In Deutschland verbuchen öffentliche und private Gebäude für Heizung, Warmwasser und Beleuchtung einen Anteil von 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Sie stehen für fast 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Mit Innovationen leisten Unternehmen wie Evonik einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele.

Wissenschaftler von Evonik entwickelten einen innovativen Dämmstoff für die Branche, der Gebäude wesentlich energieeffizienter macht: CALOSTAT. Evonik brachte den auf Siliziumdioxid basierenden Hochleistungsdämmstoff vor drei Jahren auf den Markt. Bauherren und Architekten haben großes Interesse an dem Produkt. Sie greifen auf CALOSTAT nicht nur bei Neubauten wie in Herzogenaurach zurück, wo das Dämmmaterial unter anderem in die Vormauersteine der Gebäudehüllen gefüllt wurde, sondern auch bei der nachträglichen Wärmedämmung von Häusern. Denn insbesondere Altbauten sind meist nur unzureichend oder gar nicht gedämmt. Dabei kann eine energetische Sanierung den Energiebedarf von Altbauten um bis zu 90 Prozent senken.

Das Dämmmaterial CALOSTAT hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit. Das macht das Produkt insbesondere für Gebäudesanierungen in den Innenstädten attraktiv, wo Häuser eng beieinanderstehen und oft der Platz fehlt, um dicke Schichten Dämmmaterial aufzubringen.

„Mit unserem Produkt lässt sich die Dämmstärke im Vergleich zu herkömmlichen Materialien um bis zu 50 Prozent senken – und das bei gleicher Dämmwirkung“, erklärt Bettina Gerharz-Kalte, die bei Evonik den Bereich Thermal Insulation leitet. Eine mit CALOSTAT isolierte Gebäudehülle hält im Winter Wärme im Haus und im Sommer Hitze draußen. Das reduziert auch die Kosten für die Klimatisierung von Gebäuden. Ein weiterer Vorteil des Hochleistungsdämmstoffs: CALOSTAT ist nicht brennbar und erfüllt somit die steigenden Anforderungen an den Brandschutz.

Das CALOSTAT-Entwicklerteam hat aber nicht nur die rein technischen Eigenschaften des Materials im Blick. Die Experten setzen sich auch mit den Bedürfnissen von Kunden und Verbrauchern auseinander und entwickeln mit Partnern Systemlösungen. Für ein Fassadenpaneel, das sich für die Dämmung öffentlicher Gebäude oder von Hochhäusern eignet, wurde Evonik 2016 in die „KlimaExpo.NRW“ aufgenommen, eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für den Klimaschutz. Das Isolationspaneel ermöglicht umfangreiche Energieeinsparungen. So kann mit dem Fassadenelement trotz einer sehr geringen Tiefe von nur zwölf Zentimetern ein Passivhausstandard erreicht werden.

„Das Feedback unser Kunden und Partner ist wichtig, um unser Produkt weiterzuentwickeln“, so Gerharz- Kalte. Gut angekommen im Markt ist auch der überzeugende ökologische Fußabdruck von CALOSTAT®. Der Dämmstoff kann problemlos recycelt oder als normaler Bauschutt entsorgt werden, da er nahezu ausschließlich auf mineralischen Rohstoffen basiert. Für CALOSTAT® hat Evonik das Material Health Certificate des US-amerikanischen Cradle to Cradle Product Innovation Institute in Gold erhalten.